von Leslie J. Cross (1914–1979)
Nicht-kommerzielle Übersetzung von @youarethemonstertothem - die Rechte am Originaltext liegen beim Autor bzw. den jeweiligen Rechteinhabern.
Angesichts der Tatsache, dass Werbung und Image-Aufbau das sind, was sie sind, ist es nicht verwunderlich, dass die meisten Menschen Kuhmilch als schonendes und notwendiges Lebensmittel für den menschlichen Verzehr ansehen.
Objektiv betrachtet ist ihre Produktion jedoch alles andere als schonend und ihre Notwendigkeit für den Menschen alles andere als absolut.
Ich wuchs in der Aura des allgemein akzeptierten Glaubens auf, dass auf besondere, aber undefinierte Weise Kühe einfach Milch produzieren, für uns; und dass sie leiden, wenn wir sie nicht regelmäßig melken. Ich war Anfang dreißig, als dieser Glaube erschüttert wurde.
Der Mythos wurde durch den Schock einer einzigen Entdeckung zerstört: Um ausreichend Milch für den menschlichen Verzehr zu produzieren, muss man das Kalb von der Kuh trennen, damit wir und nicht sie die Milch seiner Mutter trinken können. Wenn wir es bei seiner Mutter ließen, bräuchten wir nicht zu melken; das Kalb würde es tun, genau wie andere Säugetiere.
Diese Entdeckung verblüffte mich: „Ich konnte nicht glauben, dass Menschen – die doch als edle Wesen gelten – ganz gewöhnlich und ohne Zögern so würdelos den natürlichen Instinkt und die besondere Bedeutung der Mutterschaft verletzen.“ Denn Mutterschaft ist Mutterschaft – ob Mensch oder Tier. Und argumentieren Bauern nicht gegen Killerhunde, dass es erbärmlich sei, ein Schaf nach seinem getöteten Lamm rufen zu hören? Warum also einer Kuh absichtlich ihr Kalb rauben? Warum diese Doppelmoral? Es war notwendig, sich der Fakten zu vergewissern, und ich habe mir die Mühe gemacht, sie zu überprüfen.
Milch (und in diesem Zusammenhang ist Kuhmilch gemeint) wird der Öffentlichkeit nicht nur als ein begehrenswertes Nahrungsmittel präsentiert, sondern auch als auf mystische Weise fast heilig – absolut notwendig für die menschliche Existenz auf jeder akzeptablen Ebene. Die Techniken der Überredungskünstler strahlen Untertöne aus, die uns jeden, der erwägt, auf diese weiße Flüssigkeit zu verzichten, für leicht verrückt halten sollen.
Die nicht öffentlich gemachten Fakten der Milchwirtschaft lassen sich kurz wie folgt zusammenfassen: Säugetiere (einschließlich des Menschen) produzieren Milch ausschließlich zur Ernährung ihrer Jungen bis zum Absetzen, und die Zusammensetzung der Milch variiert je nach Art. Um Milch zu produzieren, muss die Kuh zunächst trächtig gemacht werden, entweder durch den Bullen direkt oder durch künstliche Besamung; in beiden Fällen jedoch zu einem Zeitpunkt, der den Marktanforderungen hinsichtlich des Termins wann die Kuh das Kalb bekommt und damit des Beginns der Milchproduktion entspricht. Ihr Kalb wird ihr entweder bei der Geburt oder, meist, einige Tage später weggenommen. Die Kuh schreit ihren Kummer um ihr gestohlenes Kalb manchmal mehrere Tage und Nächte lang heraus. Ihrem Kalb wird sein Geburtsrecht, die Fürsorge und Geborgenheit der Mutter, verweigert.
Kälber, die nicht für die Rinderzucht oder als Milchviehbestandsersatz benötigt werden, werden für Kalbfleisch getötet. Der Trend geht weg von der großen Zahl sehr junger Kälber und hin zum Einsperren in Ställen in Massentierhaltungen. Unfähig, sich umzudrehen („um den Kopf an einem Ende und den Mist am anderen Ende zu kielen“, wie ein Massentierhalter es formulierte), bleiben sie in ihren primitiven, engen Gefängnissen, bis sie schließlich zum Schlachthof transportiert werden.