von Leslie J. Cross (1914–1979)

Aus der Frühjahrsausgabe 1951 des Magazins World Forum (Band 5, Nummer 1, Seiten 6–7).

Nicht-kommerzielle Übersetzung von @youarethemonstertothem - die Rechte am Originaltext liegen beim Autor bzw. den jeweiligen Rechteinhabern.

Veganismus_definiert.pdf

Kürzlich hat die Vegan Society überarbeitete und erweiterte Regeln verabschiedet, die unter anderem das angestrebte Ziel der Bewegung klarstellen.

Das Ziel und die Bedeutung des Wortes „Veganismus“ der Gesellschaft, die bisher eine Frage der Schlussfolgerung und persönlichen Vorliebe waren, werden nun wie folgt definiert:

„Das Ziel der Gesellschaft soll es sein, die Ausbeutung von Tieren durch den Menschen zu beenden.“ und „Das Wort Veganismus bezeichnet den Grundsatz, dass der Mensch ohne Ausbeutung von Tieren leben sollte.“

Die Gesellschaft verpflichtet sich, „beim Verfolgen ihres Ziels“ die Nutzung von Tieren durch den Menschen für Nahrung, Waren, Arbeit, Jagd, Tierversuche und alle anderen Zwecke, die mit der Ausbeutung tierischen Lebens durch den Menschen verbunden sind, zu beenden.“

Die Mitgliedschaft in der Gesellschaft steht allen offen, die das Ziel erreichen wollen und sich verpflichten, so nah wie möglich an diesem Ideal zu leben, soweit es ihre persönlichen Umstände erlauben. Ein Mitglied gibt keine Verhaltensversprechen ab, erklärt sich aber mit dem Ziel einverstanden. Die Tür ist somit weit geöffnet, und die Gesellschaft heißt alle willkommen, die sich in der Lage fühlen, sie zu unterstützen. Die Leitung und Verwaltung der Arbeit der Gesellschaft liegt jedoch bei den Mitgliedern.

Das Ergebnis dieser Entwicklung ist es den Veganismus einzigartig zu machen unter den Bewegungen, die sich mit dem Wohlergehen von Tieren befassen. Denn er hat sich ganzheitlich herauskristallisiert und nicht, wie alle anderen Bewegungen, in Form von Abstraktion. Während sich jede andere Bewegung mit einem Teilbereich befasst – und sich daher direkt mit Praktiken statt mit Prinzipien beschäftigt –, ist der Veganismus selbst ein Prinzip, aus dem bestimmte Praktiken logisch entstehen.

Wenn man das vegane Prinzip beispielsweise auf die Ernährung anwendet, wird sofort klar, warum sie im strengsten Sinne vegetarisch sein muss und keine Lebensmittel tierischen Ursprungs enthalten darf. Man kann aus verschiedenen Gründen Vegetarier werden – aus humanitären, gesundheitlichen oder schlichtweg aus Vorliebe für eine solche Ernährungsweise; dieses Prinzip orientiert sich eher am persönlichen Empfinden und variiert dementsprechend. Veganismus hingegen ist ein Prinzip – nach welchem der Mensch kein Recht hat, die Lebewesen für seine eigenen Zwecke auszubeuten – und von diesem gibt es keine Abwandlungen. Vegane Ernährung basiert daher ausschließlich auf „Obst, Nüssen, Gemüse, Getreide und anderen bekömmlichen nicht-tierischen Produkten“ und schließt „Fleisch, Fisch, Geflügel, Eier, Honig und tierische Milch sowie deren Derivate“ aus.

In einer veganen Welt wären alle Geschöpfe wieder ins wahre Wesen der Natur integriert, welches im Gleichgewicht und gesundem Verstand besteht. Ein großes und historisches Unrecht, dessen Auswirkung auf den Verlauf der Evolution dann gewaltig gewesen war, würde berichtigt. Die Idee, dass der Mensch seine Mitgeschöpfe für Zwecke zugunsten seiner Eigeninteressen nutzen könnte, wäre dem menschlichen Denken so fremd, dass sie so gut wie undenkbar wäre. In diesem Licht betrachtet, ist Veganismus nicht sowas wie Tierschutz sondern Befreiung für die Geschöpfe und für den Geist und das Herz des Menschen; nicht sowas wie ein Versuch, die gegenwärtige Beziehung zu etwas Erträglichem zurechtzubiegen, als vielmehr die kompromisslose Erkenntnis, dass sie, da sie im Wesentlichen eine Beziehung zwischen Herr und Sklave ist, abgeschafft werden muss, bevor etwas Besseres und Schöneres geschaffen werden kann. Veganismus ist in Wahrheit die Bestätigung, dass dort wo Liebe ist Ausbeutung verschwindet. Er hat historische Kontinuität mit der Bewegung, die die menschlichen Sklaven befreite. Würde er zur Umsetzung gebracht, würde jedes grundlegende Unrecht, das der Mensch Tieren antut, automatisch verschwinden. In seinem Innersten liegt die heilende Kraft des Mitgefühls, der höchste Ausdruck der Liebe, zu dem der Mensch fähig ist. Denn es ist ein Geben das nicht auf Nehmen hofft. Und doch wäre für den Menschen selbst – weil er sich damit von vielen Forderungen seiner niederen Natur befreien würde – der Gewinn unermesslich.