von Leslie J. Cross (1914–1979)

Aus der Frühjahrsausgabe 1951 von The Vegan (Band 7, Nummer 1, Seiten 2–3).

Nicht-kommerzielle Übersetzung von @youarethemonstertothem - die Rechte am Originaltext liegen beim Autor bzw. den jeweiligen Rechteinhabern.

Die_neue_Satzung.pdf

Jedem Exemplar dieser Ausgabe von „The Vegan“, das an die Mitglieder verschickt wird, liegt eine Kopie der neuen Regeln bei, zusammen mit einem Formular, das ausgefüllt und an die neue Sekretärin, Frau Hilda Honeysett, Stane Way 38, Ewell, Surrey, geschickt werden muss.

Dieser Artikel soll die wichtigsten Punkte der neuen Regeln erläutern, die die Vegan Society am 11. November 1950 auf einer außerordentlichen Hauptversammlung in London verabschiedete.

Wir dürfen nicht vergessen, dass es bei der Gründung der Gesellschaft im Jahr 1944 keine Regeln gab und dass diese Situation bis März 1947 bestehen blieb, als Regeln verabschiedet wurden, die bis heute gültig sind. Seit einiger Zeit ist jedoch deutlich geworden, dass mit der Entwicklung des Veganismus die erste Sammlung von Regeln immer weniger imstande war, der Gesellschaft als kluge und logische Satzung zu dienen. Der große Unterschied zwischen den alten und den neuen Regeln besteht darin, dass diese Schwäche behoben wurde.

Unsere Regeln sind weder bloße Vorschriften noch sind sie lediglich eine Skizze unserer Arbeitsvereinbarungen. Natürlich handelt es sich um Vorschriften, und sie beschreiben die Art des Konstrukts, auf das wir uns geeinigt haben, aber sie leisten noch viel mehr – sie bewahren und beschützen unsere Ideale. Sie benennen präzise, und mit der Autorität der Gesellschaft im Rücken, das ultimative Ziel, auf das wir hinstreben. Das Fehlen einer solchen Aussage war der schwerwiegendste Mangel der früheren Regeln. Man darf jedoch nicht vergessen, dass sich die Gesellschaft bei Verabschiedung dieser Regeln noch nicht zu einem Punkt entwickelt hatte, an dem wir uns auf unser ultimatives Ziel einigen konnten.

Mit der Formulierung unseres vereinbarten Ziels und dem offiziellen Definieren des Begriffs „Veganismus“ haben wir eine dauerhafte Gemeinsamkeit gefunden und die gefährliche und allgegenwärtige Möglichkeit der Zersetzung beseitigt.

Das Ziel der Veganen Bewegung („die Ausbeutung von Tieren durch den Menschen zu beenden“) wird in Bezug auf die Bedeutung von Ausbeutung durch Regel 4 (a) präzisiert. Darin verpflichtet sich die Gesellschaft, „die Nutzung von Tieren durch den Menschen für Nahrung, Waren, Arbeit, Jagd, Tierversuche und alle anderen Nutzungen, die Ausbeutung tierischen Lebens durch den Menschen involvieren, zu beenden.“ Mit der Annahme dieser Regel hat sich die Gesellschaft eindeutig auf die Seite der Befreier gestellt; wir streben nicht so sehr nach Wohlergehen, sondern nach Freiheit. Unser Ziel ist nicht, die gegenwärtige Beziehung zwischen Mensch und Tier (die, ehrlich betrachtet, meist eine Beziehung zwischen Herr und Sklave ist) erträglicher zu gestalten, sondern sie abzuschaffen und durch etwas zu ersetzen, das dem hohen Stand des Menschen würdiger ist. Kurz gesagt, unser Ziel ist es, die Geschöpfe zu befreien – sie dem Gleichgewicht und der Vernunft der Natur, was ihrer rechtmäßigen Position entspricht, zurück zu geben, und so das historische Unrecht zu beenden, das begangen wurde, als der Mensch erstmals beschloss, er habe das Recht, sie auszubeuten und zu versklaven.

Der zweite große Aspekt des veganen Anliegens ist die Auswirkung auf die menschliche Evolution. Abseits der Abschaffung einer enormen Bürde an Grausamkeit, die zwangsläufig immer wieder wie ein Bumerang am eigenen Kopf der Menschheit landet, muss man sich daran erinnern, dass in jeglicher Beziehung zwischen Herr und Sklave den größten und tiefsten Schaden nicht der Sklave, sondern der Herr erleidet. Solange die gegenwärtige Beziehung zwischen Menschen und ihren Mitgeschöpfen nicht durch eine Kameradschaft auf relational gleicher Augenhöhe ersetzt wird, ist das Streben des Menschen nach Glück von vornherein zu einer schmerzhaften und tragischen Enttäuschung verurteilt.