von Leslie J. Cross (1914–1979)
Aus der Herbstausgabe 1949 von The Vegan (Band 5, Nummer 3, Seiten 15–17).
Nicht-kommerzielle Übersetzung von @youarethemonstertothem - die Rechte am Originaltext liegen beim Autor bzw. den jeweiligen Rechteinhabern.
Auf_der_Suche_nach_dem_Veganismus_2.pdf
„Lasst meine Geschöpfe frei!“
Die gegenwärtige Entwicklungsphase der Vegan Society ist geprägt von einer Konzentration auf die Implikationen der Frage: „Was ist Veganismus?“
Dies ist ein Versuch, das Prinzip mit dem Titel „Veganismus“ zu entdecken und eine vorläufige Formulierung vorzuschlagen, die es als kurze Definition treffend beschreibt. Es ist zu beachten, dass die geäußerten Ansichten die des Autors sind und weder für die Gesellschaft noch für andere Mitglieder eine Verpflichtung darstellen.
Der Brief im Vegetarian Messenger vom Juli 1943, der den Briefwechsel einleitete, der im November 1944 zur Gründung der Vegan Society führte, befasste sich mit den moralischen und mitfühlenden Argumenten gegen den Verzehr von Milchprodukten durch Vegetarier. Von den ersten 25 Mitgliedern der Vegan Society hieß es: „Soweit uns bekannt ist, hat jedes Mitglied unserer Gruppe aus humanitären Gründen auf den Verzehr von Milchprodukten verzichtet. … Wir werden nicht akzeptieren, dass man für eine angemessene Ernährung gegen sein Gewissen handeln muss.“ [1]
Veganes Denken entwickelte sich sehr schnell. Neben tierischen Lebensmitteln galten auch aus Tieren hergestellte Waren als „nicht vegan“. Schon früh gab es eine Tendenz, die Beziehung zwischen Mensch und Tier an den Wurzeln zu ergründen und sich mit der Ursache statt mit den nahezu unzähligen Symptomen zu befassen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass sich Veganismus grundlegend mit etwas anderem als der Mensch-Tier-Beziehung befasste.
Im früheren Artikel deuteten Zitate aus den ersten Ausgaben von The Vegan News darauf hin, dass die Art dieser Beziehung das wichtigste Anliegen des Veganismus sei. Andere Literatur bekräftigt diese Ansicht. „An Address on Veganism“ (Donald Watson, 1947) enthält Sätze wie die folgenden: „… die richtige Herangehensweise an das Problem der Tierbefreiung“, „… um wahre Tierbefreier zu sein“, „Der Veganer verzichtet auf den Aberglauben, dass die weitere menschliche Existenz von der Ausbeutung dieser Lebewesen abhängt“, und „Es ist an der Zeit, dass wir uns mutig von der Vorstellung lösen, dass wir das Recht haben, Tiere auszubeuten.“ Ähnliche Ideen finden sich im „Manifest“ zum Veganismus und anderen Schriften. Der rote Faden, der sich durch die Literatur zu diesem Thema zieht, ist die Überzeugung, dass die Tiere zum Wohle des Menschen und seiner Mitgeschöpfe eines Tages von seiner Ausbeutung befreit werden müssen.
Wenn sich veganes Denken treu bleibt, ist Veganismus eine Reformbewegung. Akzeptiert man dies, ist es nur ein logischer Schritt, festzustellen, dass die Vegan Society verpflichtet ist, Veganismus so früh wie möglich zu definieren und darzulegen welche Gesamtreform sie erreicht sehen will. Es ist ebenso eine Verpflichtung, ihre Energien auf die Umsetzung dieser Reform zu konzentrieren. Die Lage der Gesellschaft – ohne ein für ihre Mitglieder verbindliches, verfassungsmäßig vereinbartes Gesamtziel – erklärt sich allein aus ihrer bisherigen Entwicklung. In diesem Sinne befindet sich die Gesellschaft noch in einem Stadium pränatalen Wachstums. Dies ist jedoch als Dauerlösung nicht zufriedenstellend, denn undefiniertes Reformieren ist ein Widerspruch in sich.