von Leslie J. Cross (1914–1979)
Aus der Sommerausgabe 1949 von The Vegan (Band 5, Nummer 2, Seiten 13–15).
Nicht-kommerzielle Übersetzung von @youarethemonstertothem - die Rechte am Originaltext liegen beim Autor bzw. den jeweiligen Rechteinhabern.
Auf_der_Suche_nach_dem_Veganismus_1.pdf
Grundlagen schaffen
Der gegenwärtige Entwicklungsstand der Vegan Society ist geprägt von einer Konzentration auf die Implikationen der Frage: „Was ist Veganismus?“!
Hinter dieser entwaffnend einfachen Frage verbirgt sich mehr – viel mehr – als auf den ersten Blick scheint. Zunächst müssen wir uns von bestimmten Annahmen befreien; zum Beispiel müssen wir erkennen, dass wir, wenn wir sagen: „Veganismus ist dies oder das“, eigentlich sagen: „Meine Vorstellung von Veganismus ist dies oder das.“ Denn in der Satzung der Vegan Society steht nichts darüber, was Veganismus ist.
Dass die Gesellschaft bis heute ohne präzise Definition bestehen konnte, sollte uns nicht beunruhigen. Es gab – wenn auch oft unbemerkt – gute Gründe dafür, warum eine Definition erst versucht werden sollte, wenn die Gesellschaft einen bestimmten Punkt auf ihrem Weg erreicht hatte. Aber eines muss uns nun ernsthaft beschäftigen: Der Zeitraum, in dem diese Unbestimmtheit nützlich war, neigt sich dem Ende zu.
Um zu einer unstrittigen Definition kommen zu können, müsste selbstverständlich die Mehrheit auf einer Jahres- oder außerordentlichen Generalversammlung zustimmen, und diese Zustimmung müsste dann in Form einer kurzen Definition in die Satzung aufgenommen werden – entweder direkt in die Regeln oder als Vorbemerkung. So einfach diese Verfahrensweise erscheint, so komplex ist doch die eigentliche Aufgabe die richtige Definition zu finden und als solche zu erkennen. Die Gesellschaft hat in kurzer Zeit eine große Entwicklung durchgemacht, und um uns ein angemessenes Bild davon zu machen, worum es dabei geht, müssen wir zumindest einen kurzen Blick auf das werfen, was wir bereits geschafft haben.
Im Juli 1943 erschien im „Vegetarian Messenger“ ein Brief über den Konsum von Milchprodukten durch Vegetarier. Der Briefwechsel zu diesem Thema dauerte über zwölf Monate. Danach erschien in derselben Zeitschrift eine von Donald Watson aus Leicester unterzeichnete Bitte an Vegetarier, die an einem Leben ohne Milchprodukte interessiert waren, ihm zu schreiben. Er erhielt etwa 50 Antworten. In den darauffolgenden Verhandlungen lehnte die Vegetarian Society die Gründung einer „Ohne-Milchprodukte“-Gruppe innerhalb ihrer Reihen ab und schlug selbst vor, eine solche Gruppe außerhalb der Vegetarian Society zu gründen. Diese kleine Gruppe an Personen, die Herr Watson zusammenbrachte, entwickelte sich zu der Organisation, die schließlich als „Vegan Society“ bekannt wurde.
Im November 1944 erschien die erste Ausgabe der „Vegan News“. Die Organisation hatte einige Dutzend Mitglieder, und das Wort „vegan“ war gerade auf Vorschlag von Herrn Watson als Name der neuen Gruppe angenommen worden. Nebenbei bemerkt: Weitere Vorschläge waren Dairyban, Alvegan, Vitan, Benevore, Bellevore und einige kompliziertere Titel wie „Total Vegetarian Group“. (Wir sollten über die endgültige Wahl wirklich erleichtert sein!)